
Entwicklung der Grodenflächen Wilhelmshaven
häufig gestellte Fragen
Der Standort Wilhelmshaven spielt eine besondere Rolle beim Umbau der Energieversorgung in Deutschland.
In Wilhelmshaven entsteht ein Bündel von Infrastrukturprojekten, die auf vorhandene Standortvorteile wie den Tiefwasserhafen, Industrieflächen und bestehende Energieinfrastruktur aufbaut. Ziel ist es, die Voraussetzungen für eine klimaneutrale, zukunftsfähige Industrie zu schaffen und Wertschöpfung in der Region zu sichern.
„Warum ist hier Planung notwendig?“
Die hierfür notwendigen Entwicklungen erfordern auch formale Planungsprozesse. Dazu zählt unter anderem die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans und individuelle Bauleitpläne. In diesem Informationsbereich stellen wir den Hintergrund und häufig gestellte Fragen transparent dar.
Wenn Sie sich nur drei Dinge merken, dann diese:
1. Es gibt keine neutrale Entscheidung
- Die Wahl lautet nicht: „Veränderung oder Ruhe“.
- Die Wahl lautet: „Aktive Gestaltung oder passive Erosion“.
- Wenn wir NEIN sagen, bleibt nicht alles, wie es ist.
- Wenn wir NEIN sagen, gewinnen Rotterdam, Antwerpen, Hamburg – und Wilhelmshaven verliert weiter an Bevölkerung, Perspektiven, Einfluss.
Die Frage ist: Wollen wir Zukunft gestalten – oder ihr zusehen?
2. Naturschutz und Energiewende widersprechen sich nicht
- Die Ersatzflächen sind größer (380 ha statt 340 ha) und ökologisch hochwertiger als der Status quo.
- Wir „opfern“ keine Natur – wir verschieben und verbessern sie.
- Die Groden-Fläche ist intensiv landwirtschaftlich genutzt (Pestizide, Monokulturen).
- Die Ersatzflächen werden renaturiert (Feuchtbiotope, Extensivierung, Ruhezonen).
Das Ergebnis: Mehr und besserer Vogelschutz + klimaneutrale Energie.
3. Die Entscheidung fällt JETZT
- Das Zeitfenster für den ENERGY HUB schließt sich 2026-2027.
- Rotterdam baut bereits. Antwerpen investiert bereits. Hamburg bewirbt sich bereits.
- Wenn wir 2-3 Jahre verzögern (durch lange Verfahren, Klagen, Blockaden), sind die Investoren weg.
- Wenn wir 2030 entscheiden, ist es zu spät.
Die Chance kommt nicht zweimal.
Alles andere in diesem FAQ sind Details.
Diese drei Punkte sind das Fundament.
Wasserstoff (chemisch: H₂) ist das leichteste Element. Er verbrennt zu reinem Wasser – ohne CO₂-Emissionen. Man kann ihn aus Wasser herstellen (Elektrolyse) oder komprimiert transportieren und speichern.
Deutschland hat sich verpflichtet, bis 2045 klimaneutral zu werden. Dafür müssen wir von fossilen Energieträgern (Öl, Gas, Kohle) auf erneuerbare Energien umsteigen. Das Problem: Wind- und Sonnenstrom schwanken stark – nachts scheint keine Sonne, manchmal weht wochenlang kaum Wind.
Wasserstoff löst drei Probleme:
- Speicherung: Überschüssiger Windstrom kann in Wasserstoff umgewandelt und monatelang gespeichert werden
- Transport: Wasserstoff kann per Pipeline oder Schiff transportiert werden – Strom nur per Leitung
- Industrie: Branchen wie Stahl und Chemie brauchen hohe Temperaturen und chemische Prozesse, die sich nicht elektrifizieren lassen
Die Zahlen: Deutschland wird bis 2045 etwa 2.200 Terawattstunden (TWh) grünen Wasserstoff benötigen. Das entspricht etwa 45 % des heutigen Gesamtenergiebedarfs. Etwa 50-70 % davon müssen importiert werden, da wir nicht genug eigene Flächen für Wind- und Solaranlagen haben.
Wilhelmshaven vereint sechs Alleinstellungsmerkmale, die zusammen in Deutschland einzigartig sind:
1. Tiefwasserhafen ohne Tidenabhängigkeit
Einziger deutscher Hafen, in dem die größten Wasserstoff-Tanker (VLGC – Very Large Gas Carrier, Tanker mit mehr als 80.000 m³ Kapazität) jederzeit ohne Wartezeiten anlegen können. Rotterdam und Antwerpen haben ähnliche Häfen, aber Hamburg und Bremen müssen auf Gezeiten warten.
2. Salzkavernen für Speicherung
Über 150 Millionen Kubikmeter unterirdisches Speichervolumen direkt vor Ort. Diese geologische Besonderheit gibt es in dieser Größenordnung nur hier und in Emsland – aber Emsland hat keinen Hafen.
3. Pipeline-Netz zu Abnehmern
Bestehende Gasleitungen ins Ruhrgebiet und nach Niedersachsen können für Wasserstoff umgerüstet werden. Andere Hafenstandorte müssten komplett neue Leitungen über 300+ km bauen.
4. Offshore-Windkraft vor der Tür
12 Gigawatt bis 2030, Potenzial für über 70 Gigawatt in der Nordsee. Der kürzeste Weg vom Windrad zur Elektrolyse in ganz Deutschland.
5. Verfügbare Industrieflächen
Über 400 Hektar hafennahe Flächen – andere Standorte wie Hamburg haben diese Flächen nicht mehr.
6. Erfahrung mit gefährlichen Gasen
Mehr als 50 Jahre Know-how im Umgang mit LNG, Ammoniak, Chlor und Ölprodukte. Geschultes Personal, bewährte Sicherheitsstandards, etablierte Notfallpläne.
Kein anderer Standort in Deutschland erfüllt alle sechs Kriterien.
Der Voslapper Groden ist eine durch den menschlichen Eingriff (Eindeichung und Aufspülung) entstandene Fläche, die für die Hafenwirtschaft vorgesehen war. Die Fläche konnte indes nicht vermarktet werden und blieb daher überwiegend sich selbst überlassen, was zu der Entwicklung der heute hier anzutreffenden Biotope und der Nutzung als Brutgebiet durch mehrere Vogelarten führte. Aufgrund des seinerzeit vorhandenen Zustands wurde das Gebiet 2007 als Vogelschutzgebiet der EU-Kommission gemeldet und im Anschluss daran national entsprechend unter Schutz gestellt. Dieser Zustand war jedoch lediglich ein Zwischenzustand im Verlauf der natürlichen Sukzessionen, der diese vom Menschen geschaffene Fläche unterliegt.
Die wirtschaftliche Entwicklung wird nicht von einem einzelnen Unternehmen, sondern von einer Vielzahl von Akteuren getragen:
Öffentliche Hand:
- Stadt Wilhelmshaven (z. B. Flächenbereitstellung, Bauleitplanung)
- Land Niedersachsen (z. B. Flächenbereitstellung, Förderung, Genehmigungen, Infrastrukturausbau)
- Bundesregierung (z. B. Nationale Wasserstoffstrategie, Fördergelder)
- Europäische Union (NetZero Nordwest Deutschland)
Privatwirtschaft:
- Unternehmen des ENERGY HUB
- Potenzielle Ansiedler
Forschung & Entwicklung:
- Fraunhofer IST
- Jade Hochschule
Die Groden-Flächen:
Warum ausgerechnet hier?
Für den Hafenorientierten Energiepark werden zusammenhängende Industrieflächen benötigt, die sechs technische Kriterien erfüllen:
- Hafennähe: weniger als 2 km zum Tiefwasserkai (für Anlandung von Wasserstoff-Importen)
- Pipeline-Anbindung: Direkter Anschluss an bestehende Gasleitungen (für Weitertransport)
- Salzkavernen-Nähe: weniger als 5 km (für wirtschaftliche Speicher-Anbindung)
- Geeigneter Untergrund: Tragfähig, keine Altlasten
- Verfügbarkeit: Innerhalb 18-24 Monate (Investoren-Zeitfenster)
- Größe: 153 ha zusammenhängend (Import von Energieträgern, Speicher und Logistik)
Diese Grodenfläche erfüllt alle sechs Kriterien. Es gibt dazu keine Alternative in Wilhelmshaven.
Warum nicht andere Flächen?
- Südkai: Zu weit vom Hafen (4 km), keine Pipeline
- Rüstersieler Groden: Pipeline-Neuverlegung € 120 Mio., 3 Jahre Verzögerung
- Innenstadt-Konversion: Altlasten, jahrzehntelange Sanierung, keine Hafennähe
- Privatflächen außerhalb: Jahre der Verhandlung, Bodenspekulation, oft zu klein
Ja, diese Grodenfläche ist Teil des Europäischen Vogelschutzgebiets V62 „Voslapper Groden-Nord“. Nein, man kann es nicht „einfach“ aufheben – aber unter bestimmten Voraussetzungen, die hier zutreffen, ist es rechtlich möglich.
Rechtliche Grundlage:
Artikel 7 der EU-Vogelschutzrichtlinie erlaubt die Aufhebung bei „zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses“ – wenn:
- Es keine Alternative gibt
- Das öffentliche Interesse überwiegt (Energiewende ist Ziel Deutschlands und der EU)
- Eine gleichwertige oder bessere Kompensation erfolgt
Was bedeutet „überwiegen des öffentlichen Interesses“?
Der Europäische Gerichtshof hat in mehreren Urteilen klargestellt: Die Energiewende und die Versorgungssicherheit mit klimaneutraler Energie gelten EU-weit als „überragendes öffentliches Interesse“. Das gilt explizit auch für Wasserstoff-Infrastruktur.
Wer prüft das?
- Land Niedersachsen (Landesamt für Umwelt)
- EU-Kommission (wurde informiert, keine Einwände)
- Verwaltungsgericht (kann von Klägern angerufen werden, prüft Rechtmäßigkeit)
Das Verfahren ist nicht „einfach“, sondern dauert 18-24 Monate und unterliegt strengsten rechtlichen Prüfungen.
Ja, es werden Ausgleichsflächen geschaffen – und zwar mehr und besser als der Status quo.
Status quo:
- 258 ha Fläche
Geplante Kompensation:
- 400 ha Ersatzflächen
- Ökologische Aufwertung: Renaturierung, Feuchtbiotope, Extensivierung
Wo liegen die Ersatzflächen?
Es gibt folgende vier Areale:
- Reepsholter Tief, Hemmoor und Elsflether Sand (Entwurfsplanung)
- Wiefels (Vorentwurf)
Die Ersatzflächen sind für Vögel besser geeignet als die Grodenfläche. Nur die Grodenfläche eignet sich für Energieprojekte.
Ergebnis: Nicht weniger Vogelschutz, sondern mehr und besserer Vogelschutz als vorher.
Ja, intensiv. Die ursprüngliche Planung sah 180 Hektar vor. Nach Prüfung von Alternativen und Verdichtungsoptionen wurde die Fläche auf 153 Hektar reduziert.
Warum nicht noch kleiner?
Technischer Mindestbedarf:
- Elektrolyse 300 MW: 35 ha (inkl. Pufferzonen, Sicherheitsabstände)
- Wasserstoff-Speicher (oberirdisch): 20 ha
- Logistik & Verladestation: 15 ha
- Pipeline-Anbindung, Trafostationen: 10 ha
- Ansiedlungsflächen für Industrie: 40 ha
- Verkehrswege, Grünflächen, Sicherheitsabstände: 20 ha
ergibt 140 ha Mindestfläche
Was passiert, wenn wir noch kleiner planen?
- Investoren können nicht alle Komponenten unterbringen
- Sicherheitsabstände unterschritten (nicht genehmigungsfähig)
- Keine Erweiterungsmöglichkeiten (ENERGY HUB kann nicht wachsen)
- Konkurrenzstandorte (Rotterdam, Antwerpen) bieten mehr Fläche → Investoren weichen aus
Die 140 Hektar sind das Minimum für diesen Hafenorientierten Energiepark. Jede weitere Verkleinerung gefährdet das Projekt.
Das ist eine berechtigte Frage. Hier die Fakten:
Was ist Greenwashing?
Greenwashing bedeutet: Unternehmen oder Projekte geben sich einen grünen Anstrich, ohne wirklich zum Klimaschutz beizutragen. Beispiel: Ein Kohlekraftwerk baut einen Solarpark daneben und nennt sich „grüner Energiekonzern“.
Ist der Hafenorientierte Energiepark Greenwashing?
Nein, aus drei Gründen:
- Messbarer Klimabeitrag: Der Hafenorientierte Energiepark kann ab 2045 etwa 40 % des deutschen Wasserstoffbedarfs decken.
- Kein fossiles „Weiter so“: Der Hafenorientierte Energiepark ersetzt fossile Infrastruktur (Öl-Tanklager, Kohle-Import), statt sie zu ergänzen. Die LNG-Terminals sind explizit als Übergangslösung konzipiert und werden ab 2030 schrittweise auf erneuerbare Energieträger umgestellt.
- Unabhängige Prüfung: Das Projekt wird nach EU-Taxonomie bewertet (EU-weites Regelwerk für klimafreundliche Investitionen). Nur Projekte, die nachweislich zur Klimaneutralität beitragen, erhalten Förderung und den „Netto-Null-Status".
Aber: Es ist auch Industrieansiedlung.
Ja, es entstehen Arbeitsplätze und Gewinne für Unternehmen. Das widerspricht dem Klimaschutz aber nicht – im Gegenteil: Die Energiewende braucht Industrie, die grüne Technologien produziert und nutzt.
Die Frage ist nicht: Klimaschutz ODER Wirtschaft. Die Frage ist: Fossile Wirtschaft ODER grüne Wirtschaft.
Das ist ein reales Risiko und wir gehen damit transparent um.
Absicherung gegen Investoren-Rückzug:
- Stufenweise Flächenfreigabe: Die 140 Hektar werden nicht auf einmal freigegeben, sondern in mehreren Stufen – abhängig von verbindlichen Investorenzusagen.
- Rechtliche Absicherung: Investoren unterzeichnen verbindliche Ansiedlungsverträge mit Vertragsstrafen bei Rückzug ohne wichtigen Grund.
- Rückfallszenarien: Die Fläche bleibt als Industriegebiet gewidmet und kann an andere Investoren vergeben werden. Aufgrund seiner besonderen Eignung ist eine umfangreiche Interessentenliste vorhanden.
- Flächen bleiben langfristig im Besitz der öffentlichen Hand: Die Flächen werden über Erbpacht vergeben und bleiben somit langfristig im Besitz der öffentlichen Hand.
Was passiert mit den Ersatzflächen?
Die ökologische Aufwertung der Ersatzflächen beginnt parallel zur Industrieansiedlung und ist rechtlich davon getrennt. Selbst wenn das Industrieprojekt scheitert, bleiben die Ersatzflächen als Naturschutzgebiete erhalten (keine Rückabwicklung).
Das bedeutet: Im "worst case" haben wir bessere Naturschutzgebiete und verzögerte industrielle Entwicklung. Im "best case" haben wir beides.
Eine berechtigte Frage. Lassen Sie uns das Risiko und den Nutzen aufschlüsseln.
Was ist Ihr Risiko als Bürger:in?
- Ökologisch: Verlust einer Grünfläche – aber: Ersatz durch zusätzliche und ökologisch bessere Flächen
- Finanziell: Die Stadt Wilhelmshaven investiert in die bauordnungsrechtlichen Voraussetzungen (Gutachten, Planung, Personal). Diese Kosten werden über spätere Gewerbesteuereinnahmen ausgeglichen.
- Lebensqualität: Mehr Verkehr, möglicherweise Lärm – aber: Kompensation durch Lärmschutzwände, Geschwindigkeitsbegrenzungen
Was ist Ihr Nutzen als Bürger:in?
- Arbeitsplätze: es entstehen neue und qualitativ hochwertige Arbeitsplätze und Berufsfelder, davon viele für Facharbeiter und Quereinsteiger.
- Perspektiven: Ihre Kinder/Enkel haben Gründe zu bleiben oder zurückzukehren.
- Investitionen: durch mehr Steuereinnahmen verbessert sich die Haushaltssituation der Stadt, das bedeutet für Sie bessere Schulen, Kitas, ÖPNV, Straßen.
- Image und Demografie: Zuzug junger Familien stoppt Überalterung und Leerstand und steigert langfristig die Lebensqualität vor Ort. Wilhelmshaven wird als Zukunftsstandort wahrgenommen.
Die Alternative: Unternehmen investieren in Rotterdam oder Antwerpen – und die Gewinne fließen dorthin. Wilhelmshaven hat dann weder Jobs noch Steuereinnahmen.
Wirtschaft & Arbeitsplätze
Gesamtprognose: mehr als 2.000 Arbeitsplätze bis 2035 (lt. dem Projektupdate 05/2025 von Fraunhofer IST)
Direkte Arbeitsplätze:
- Produktion/Elektrolyse: (Anlagenbediener, Techniker, Ingenieure)
- Logistik/Hafen: (Verlader, Disponenten, Lageristen)
- Verwaltung/Management: (Bürojobs, IT, Controlling)
- Forschung & Entwicklung: (Ingenieure, Wissenschaftler)
- Service/Wartung: (Mechaniker, Elektriker, Sicherheit)
Indirekte Arbeitsplätze:
- Zulieferer: (Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie)
- Bau/Handwerk: (während Aufbauphase, später weniger)
- Dienstleistungen: (Catering, Reinigung, Gebäudemanagement, IT)
- Einzelhandel/Gastronomie: (mehr Kaufkraft durch neue Einwohner)
Für wen sind diese Jobs?
Qualifikationsniveau:
- 35 % Facharbeiter mit Berufsausbildung (Mechatroniker, Elektriker, Chemikanten)
- 30 % Techniker/Meister
- 20 % Ingenieure/Akademiker
- 15 % Ungelernte/Quereinsteiger (Logistik, Service)
Regionale Verankerung:
- 60-70 % der Jobs sollen an Menschen aus der Region gehen (Ziel der Investoren)
- Qualifizierungsprogramme für Umschüler (z. B. aus Gastronomie, Einzelhandel)
- „NetZero Academies“: Fachkräfteprogramme mit IHK, Jade Hochschule, Berufsschulen
Neue Berufe in Wilhelmshaven:
- Wasserstoff-Anlagenmechaniker
- Elektrolyse-Techniker
- Maritime Sicherheitstechnik
- Umwelt-Compliance-Manager
Durchschnittsgehalt: 42.000-65.000 Euro/Jahr (direkte Jobs), deutlich über regionalem Durchschnitt
Der ENERGY HUB ist der geplante Knotenpunkt für grüne Energieträger in Deutschland. Hier sollen klimaneutraler Wasserstoff und seine Derivate (Ammoniak, Methanol, E-Fuels) importiert, produziert, gespeichert und zu den großen Industriezentren weitergeleitet werden.
Konkret bedeutet das:
- Import-Terminals für grünen Wasserstoff aus dem Ausland (ab 2027)
- Produktion vor Ort durch Elektrolyse (Umwandlung von Wasser in Wasserstoff mittels Strom) mit Offshore-Windstrom
- Speicherung in unterirdischen Salzkavernen (rund 150 Millionen m³)
- Weiterleitung über Pipelines ins Ruhrgebiet und nach Niedersachsen
- Ansiedlung von Industrien, die Wasserstoff nutzen (Chemie, Stahl, Batterieproduktion)
Der ENERGY HUB ist Teil der nationalen Wasserstoffstrategie und soll ab 2030 etwa 2-3 % des deutschen Energiebedarfs decken.
Direkte Vorteile:
1. Arbeitsplatzperspektiven
- ca. 2.000 neue Jobs – auch wenn Sie selbst nicht dort arbeiten, profitieren lokale Unternehmen
- Ihre Kinder haben Gründe zu bleiben (aktuell: 60 % der Absolventen verlassen die Region)
- Ausbildungsplätze: über 300 neue Azubi-Stellen bis 2030
2. Entwicklung der Stadt
- Zuzug junger Familien belebt die Innenstadt
- Mehr Kaufkraft = mehr Geschäfte, Restaurants, Kulturangebote
- Bevölkerungswachstum statt Rückgang
3. Bessere Infrastruktur
- Ausbau ÖPNV (mehr Buslinien, Bahnanbindungen)
- Modernisierung von Straßen und Radwegen (teilfinanziert durch Investoren)
- Schnelleres Internet (Glasfaser-Ausbau für Industrie kommt allen zugute)
5. Image-Gewinn
- Wilhelmshaven wird als Zukunftsstandort wahrgenommen
- Mediale Aufmerksamkeit, politischer Einfluss
- Stolz statt Resignation: „Wir gestalten die Energiewende“
Indirekte Vorteile:
- Ihre Immobilie gewinnt an Wert (mehr Nachfrage durch Zuzug)
- Lokale Unternehmen haben mehr Kunden
- Ärzte, Kitas, Schulen werden nicht geschlossen (Auslastung steigt)
Was kostet es Sie?
- Möglicherweise mehr Verkehr
- Möglicherweise Baulärm während der Aufbauphasen
- Veränderung der Landschaft (stadtferne Grünflächen werden zu Industriegebiet)
Bilanz: Deutlich mehr Vorteile als Nachteile für die breite Bevölkerung.
Beide – aber lokale Unternehmen müssen aktiv werden.
Chancen für lokale Unternehmen:
1. Zulieferer
- Maschinenbau, Elektrotechnik, Stahlbau (Aufträge für Anlagenbau)
- Gebäudetechnik, Klimatechnik (Bau von Verwaltungsgebäuden, Hallen)
- IT-Dienstleister (Software, Netzwerke, Wartung)
- Transportlogistik (Speditionen, Schwerlasttransporte)
2. Bau & Handwerk
- Tiefbau (Fundamente, Straßen, Kanalisation)
- Hochbau (Verwaltungsgebäude, Werkshallen, Lagerhallen)
- Elektroinstallation, Sanitär, Heizung
3. Dienstleistungen
- Reinigung, Sicherheitsdienste, Gebäudemanagement, Catering
- Ingenieur- und Planungsbüros, Architekten
- Garten- und Landschaftspflege
- Rechts- und Finanzdienstleistungen aller Art
- Weiterbildung (Schulungen für Anlagenbediener, Sicherheitsunterweisungen)
4. Einzelhandel, Gastronomie & Hotellerie
- neue Einwohner, Touristen und Geschäftsreisende
Unterstützung für lokale Unternehmen:
- Supplier Days: Veranstaltungen, bei denen sich lokale Unternehmen bei Investoren vorstellen
- Qualifizierungsprogramme: u. a. bietet die IHK und weitere Bildungsträger Schulungen zu Wasserstoff-Technik, Compliance und Sicherheitsstandards an.
- Präsenz bei lokalen Unternehmensmessen u.a. ENERGY UP und job4u
Umwelt & Sicherheit
Ja, Wasserstoff ist brennbar und bei unsachgemäßem Umgang gefährlich – aber nicht gefährlicher als Erdgas, mit dem wir seit Jahrzehnten umgehen.
Vergleich: Wasserstoff vs. Erdgas vs. Benzin
Vergleich der Eigenschaften:
Wasserstoff (H₂):
- Brennbar: Ja
- Explosionsbereich: 4-77 % in Luft
- Zündtemperatur: 560°C (höher als Benzin!)
- Dichte: Leichter als Luft → verflüchtigt sich schnell nach oben
- Geruch: Geruchlos
Erdgas (Methan):
- Brennbar: Ja
- Explosionsbereich: 5-15 % in Luft
- Zündtemperatur: 600°C
- Dichte: Leichter als Luft
- Geruch: Geruchlos (Odorierung wird zugefügt)
Benzin:
- Brennbar: Ja
- Explosionsbereich: 1-8 % in Luft
- Zündtemperatur: 200-500°C (viel niedriger!)
- Dichte: Schwerer als Luft → sammelt sich am Boden
- Geruch: Starker Geruch
Sicherheitsmaßnahmen:
Gesetzliche Mindeststandards werden eingehalten, im Rahmen von Genehmigungsverfahren werden weitere Sicherheitsmaßnahmen festgelegt.
Technische Sicherheit:
- Automatische Absperrventile bei Druckabfall
- Notabschaltung bei Sensoralarm
- Explosionsgeschützte Elektrik (ATEX-zertifiziert)
Räumliche Sicherheit:
- Sicherheitsabstände: Mindestens 200 m zu Wohngebieten
- Keine Zündquellen an den Anlagen
- Begrenzte Zugangskontrolle (Zäune, Überwachung)
Organisatorische Sicherheit:
- Schulung ALLER Mitarbeiter in Wasserstoff-Handling
- Notfallpläne mit Feuerwehr, THW, Polizei abgestimmt
- Regelmäßige Sicherheitsübungen
Erfahrung:
- In Wilhelmshaven wird seit über 50 Jahren mit LNG, Ammoniak, Chlor und Öl umgegangen
- Keine bisher bekannten schweren Zwischenfälle
Was passiert bei einem Leck?
- Wasserstoff ist 14 x leichter als Luft und verflüchtigt sich ohne Langzeitfolgen in die Umgebung
- Anders als Benzin sammelt er sich NICHT am Boden (geringeres Explosionsrisiko in Gebäuden)
- Sensoren detektieren Leckagen innerhalb Sekunden, automatische Abschaltung
Fazit: Wasserstoff ist nicht harmlos, aber beherrschbar – mit der richtigen Technik und Ausbildung. Das Risiko ist vergleichbar mit anderen Energieträgern, die wir täglich nutzen.
Aktuelle Situation:
- Voslapper Groden Nord: aktuell kaum Verkehr
- Rüstersieler Groden: Verkehr durch Bestandsunternehmen
Prognose:
Lärm:
Dauerhafte Geräuschquellen:
- Elektrolyse-Anlagen: 55-65 dB(A) in 100m Entfernung (vergleichbar mit Kühlschrank-Kompressor)
- Kompressoren, Pumpen: 60-70 dB(A) in 50m
- Verkehr auf Betriebsgelände: 60-75 dB(A) an Zufahrten
Grenzwerte nach BImSchG:
- Wohngebiete tagsüber: 55 dB(A)
- Wohngebiete nachts: 40 dB(A)
- Industriegebiete: 70 dB(A)
Maßnahmen:
- Lärmschutzwände, wo notwendig
- Einhausung lauter Anlagen (Kompressoren, Pumpen)
Prognose: In Wohngebieten (einige Kilometer entfernt) werden Grenzwerte eingehalten. Einzelne Anwohner könnten in Windrichtung bei sehr ruhigen Nächten ein leises Brummen wahrnehmen.
Verkehr:
Routen:
- Hauptzufahrt: Friesendamm und Hooksieler Landstraße direkt zur A29 (NICHT durch Wohngebiete)
- Verkehr tritt gestaffelt auf
- Zunahme des Hafen-LKW-Verkehrs und des Schienengüterverkehrs
Maßnahmen:
- Ampelschaltung wird ggf. optimiert für Stoßzeiten
- Parkplätze auf Werksgelände
- ggf. Anpassung der ÖPNV-Anbindungen
Prognose: Verkehrsbelastung steigt.
Nein, unter Wilhelmshaven wird kein CO₂ gespeichert. Aber CO₂ wird über Wilhelmshaven transportiert – zur Speicherung unter der Nordsee.
Hintergrund: CO₂-Transport und -Speicherung (CCUS)
Was ist CCUS?
Carbon Capture, Utilization and Storage steht für CO₂-Abscheidung, Nutzung und Speicherung. Bestimmte Industrien (Zement, Chemie, Müllverbrennung) produzieren auch in Zukunft in geringerem AusmaßCO₂. Damit Deutschland trotzdem klimaneutral wird, muss dieses CO₂ abgeschieden, genutzt oder gespeichert werden.
Wo wird das CO₂ gespeichert?
- Unter der Nordsee, in erschöpften Öl- und Gasfeldern ( rund 3.000 Meter unter dem Meeresboden)
- z. B. in Norwegen, Großbritannien und Dänemark
Welche Rolle spielt Wilhelmshaven?
- CO₂ aus deutschen Industrieanlagen (z. B. Ruhrgebiet, Niedersachsen) wird per Zug oder per Pipeline nach Wilhelmshaven transportiert
- Hier wird es verflüssigt und verschifft
- Wilhelmshaven ist Umschlagplatz, NICHT Endlager
Ist das sicher?
- CO₂ ist ungiftig
- Bei Leck: CO₂ ist schwerer als Luft und sammelt sich am Boden (kann in geschlossenen Räumen Erstickungsgefahr bedeuten)
- Maßnahmen: z. B. Sensoren, Belüftung, Sicherheitsabstände
Warum nicht einfach das CO₂ vermeiden?
- Zement-Produktion: Chemische Reaktion setzt CO₂ frei (nicht vermeidbar, nur reduzierbar)
- Müllverbrennung: Nicht-recycelbarer Restmüll muss verbrannt werden
- CCUS ist die „letzte Meile“ zur Klimaneutralität – für die 5-10 % der Emissionen, die nicht vermeidbar sind
Das ist eine wichtige Frage – und die ehrliche Antwort lautet: Nicht in absehbarer Zeit.
Realistische Zeiträume:
Betriebsphase (2027-2065, ca. 40 Jahre):
- Die Projekt sind voll in Betrieb
- Flächen sind Industriegebiet
- Rückbau unrealistisch (laufende Investitionen, Energieversorgung)
Nach 2065: Drei Szenarien sind denkbar:
Szenario 1: Weiterbetrieb (wahrscheinlichster Fall)
- Wasserstoff bleibt Energieträger, Anlagen werden modernisiert
- Flächen bleiben Industriegebiet
- Zeitraum: 2065-2100 und darüber hinaus
Szenario 2: Technologiewechsel
- Wasserstoff wird durch andere Energieträger ersetzt
- Anlagen werden rückgebaut, Flächen werden für andere Industrien genutzt
- Zeitraum: 2065-2080, dann Umnutzung
Szenario 3: Renaturierung (unwahrscheinlich)
- Flächen werden zurück gebaut und renaturiert
- Zeitraum: Frühestens nach 2080
Was bedeutet das für die Natur?
Die Ersatzflächen (400 ha) bleiben dauerhaft Naturschutzgebiete – unabhängig davon, was mit der Groden-Fläche passiert. Sie sind rechtlich geschützt und können nicht rückgängig gemacht werden.
Bilanz:
- 153 ha werden langfristig Industriegebiet (mindestens 40-60 Jahre)
- 400 ha werden dauerhaft ökologisch aufgewertet
- Netto: ca. 247 ha Naturschutzgebiet mehr
Die Transformation ist langfristig – aber der ökologische Gewinn ist dauerhaft.
Beteiligung & Prozess
Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich zu informieren und Ihre Meinung einzubringen:
1. Öffentliche Auslegung (formeller Prozess):
Zeitraum: 4 Wochen (wird auf Website und in Tageszeitungen angekündigt)
Was können Sie tun:
- Einsicht in alle Planunterlagen (Rathaus, online als PDF)
- Schriftliche Stellungnahme einreichen (per Post, E-Mail, Online-Formular)
- Ihre Bedenken werden geprüft und im Abwägungsprozess berücksichtigt
Wichtig: Nur Einwendungen während der Auslegungsfrist sind rechtlich relevant für spätere Klagen.
2. Sprechstunden (informeller Dialog):
Wann: Jeden Dienstag, 16-18 Uhr (während Auslegungsphase)
Wo: Rathaus Wilhelmshaven, Raum 3.14 (Stadtplanung)
Was können Sie tun:
- Persönlich mit Stadtplanern sprechen
- Karten und Pläne anschauen
- Fragen stellen (keine Anmeldung notwendig)
Zeitplan der Entscheidungen:
21. Januar 2026: Ratssitzung (öffentlich)
- Beschluss über Flächennutzungsplanänderung
- Beschluss über Bebauungsplan Nr. 225
- Beschluss über Vogelschutzgebiets-Aufhebung
Kann ich noch etwas ändern?
Grundsätzliche Entscheidung (JA/NEIN zum ENERGY HUB):
Nein, diese fällt im Januar 2026 im Rat. Danach geht es nur noch um Details.
Details (Lärmschutz, Verkehrsführung, Grünflächen):
Ja, während der Auslegung (Januar-Februar 2026) können Sie Anregungen einbringen. Die Stadtverwaltung MUSS diese prüfen und begründen, warum sie berücksichtigt oder abgelehnt werden.
Nach Juni 2026:
Planrecht ist beschlossen. Änderungen nur noch durch Klage vor Verwaltungsgericht möglich (Frist: 6 Wochen nach Bekanntmachung).
Alle Unterlagen sind öffentlich zugänglich:
Online:
im Ratsinformationssystem der Stadt Wilhelmshaven
Kategorien:
- Pläne & Karten (Flächennutzungsplan, Bebauungsplan, Luftbilder)
- Gutachten (Naturschutz, Lärm, Verkehr, Luft, Boden, Wasser)
- Verfahren (Beschlüsse, Sitzungsprotokolle, Abwägungspläne)
- Präsentationen (Info-Veranstaltungen, Ratssitzungen)
Offline:
Technisches Rathaus Wilhelmshaven, Stadtplanung
Sprechzeiten: Montag bis Donnerstag: 8.30 - 12.30 Uhr und 14.00 - 15.30 Uhr, Freitag 8.30 - 12.30 Uhr
Telefonische Anmeldung unter 04421/16-2629
Ja, Sie können gegen die Entscheidung klagen – aber es gibt Fristen und Voraussetzungen.
Zukunft & Vision
Eine Vision – basierend auf den Planungen:
Hafen & Industrie:
- Die Energieprojekt sind voll in Betrieb: Drei Import-Terminals, bis zu 1,5 GW Elektrolyse-Kapazität
- neue Industrieansiedlungen (Wasserstoff-Nutzer, Rüstungstechnik, Recycling)
- Ansiedlungen mit hoher Nachfrage an erneuerbarer Energie
- Energie- und digitale Systeminfrastruktur wird ausgebaut
- Hafenumschläge erhöhen sich (Energie und JadeWeserPort: 2 Millionen Container/Jahr)
Arbeitsmarkt:
- rund 2.000 neue Arbeitsplätze geschaffen
- Arbeitslosenquote unter 8% (aktuell: 10,4 %)
- rund 300 neue Ausbildungsplätze, auch in Zukunftsberufen
- Durchschnittsgehalt gestiegen: mehr als 15 % gegenüber 2025
Bevölkerung:
- Einwohner: 85.000 (aktuell: 76.000) = rund 12 % Wachstum
- Zuzug junger Familien: Durchschnittsalter gesunken von 48 auf 44 Jahre
- Keine Schulschließungen mehr, neue Kitas eröffnet
- Innenstadt belebt: Attraktivität deutlich gesteigert
Infrastruktur:
- Investitionen: Neues Schwimmbad, modernisierte Schulen, ÖPNV ausgebaut
- Schnelles Internet: Glasfaser flächendeckend (durch Industrie-Ausbau finanziert)
- Verkehr: verbesserte Bahnanbindung nach Bremen
Umwelt:
- 400 ha neue Naturschutzgebiete voll entwickelt (Feuchtbiotope, 18 Brutvogelarten)
- CO₂-Bilanz: 10 Millionen Tonnen /Jahr deutschlandweit eingespart
- Wilhelmshaven als Vorzeige-Standort für gelungene Energiewende
Image:
- „Die Stadt, die die Energiewende möglich macht“
- Mediale Aufmerksamkeit, politischer Einfluss (Staatsbesuche, EU-Konferenzen)
- Stolz der Bürger: "Wir haben etwas bewegt"
Das ist keine Utopie – das ist das Ergebnis, wenn die Planung aufgeht.
Noch Fragen?
Sie haben eine Frage, die hier nicht beantwortet wird?
Stellen Sie sie uns:
Web: www.wirtschaft-wilhelmshaven.de
Mail:
Tel.: +49 (44 21) 91 06-0
Möchten Sie uns unterstützen oder kritisieren?
Unterstützer:
- Informieren Sie Ihr Umfeld (Familie, Freunde, Nachbarn)
- Nutzen Sie Ihre Stimme bei Wahlen und in Parteien
- Kommen Sie zu Informationsveranstaltungen
Kritiker:
- Nutzen Sie die Beteiligungsmöglichkeiten (Auslegung, Sprechstunden)
- Bringen Sie konstruktive Vorschläge ein (z.B. besserer Lärmschutz, mehr Grünflächen)
- Organisieren Sie sich (Bürgerinitiativen, Umweltverbände)
Beide Seiten sind wichtig.
Kritik macht Projekte besser. Unterstützung macht sie möglich.
Letzte Aktualisierung: Januar 2026